Montag, 14 Juni 2021 13:18

Corona: Auffanghilfe für Lernprobleme

Lernmaterial Lernmaterial pixabay

Bereits seit dem Dezember des Jahres 2020 waren die meisten Schüler in Deutschland nicht mehr im Inneren ihrer Schule.

Zwar findet der Unterricht – zumindest im Hybrid- oder Wechselmodell – in einigen Regionen wieder statt, allerdings sind viele Städte und Landkreise noch immer vollständig auf den Distanzunterricht angewiesen.

Die Menge des Schulstoffs, der aufgrund der Corona-Pandemie ausgefallen ist, ist immens und die Folgen heute noch kaum abschätzbar. Anja Karliczek, die Bildungsministerin der CDU, geht davon aus, dass es bei 20 bis 25 Prozent der Schüler deutliche Lernrückstände gibt. Diese Einschätzung teilt auch eine aktuelle Studie, nach welcher die Schüler pro Tag im zweiten Lockdown rund drei Stunden weniger gelernt haben als zu den Zeiten vor der Pandemie. Der Förderbedarf ist laut der Studie bei 20 Prozent der Schüler stark erhöht.

Bundesregierung beschließt Aufholpaket

Diesen Lernrückständen soll durch ein sogenanntes Aufholpaket der Bundesregierung entgegengewirkt werden. Das Paket, welches am 5. Mai auf den Weg gebracht wurde, sieht für dieses und nächsten Jahr zusätzliche Gelder in Höhe von zwei Milliarden Euro vor. Von diesem Betrag soll die Hälfte in Förder- und Nachhilfeprogramme samt nötigem Lernmaterial investiert werden, die andere Hälfte entfällt auf den Ausbau der Sozialarbeit und die Sprachförderung an den Schulen.

Der Wunsch der Bildungsministerin Anja Karliczek ist darüber hinaus, dass an allen Schulen noch vor dem Beginn der Sommerferien Lernstandserhebungen durchgeführt werden. Nach diesen sollen Empfehlungen durch die Lehrkräfte abgegeben werden, welche Themen von den einzelnen Schülern aufgearbeitet werden müssen.

Zuschüsse soll es außerdem für Freizeitaktivitäten geben, beispielsweise für den Musikunterricht oder den Sportverein. Ebenfalls ist geplant, dass Urlaub von Familien in gemeinnützigen Einrichtungen bezuschusst und die Teilnahme an Feriencamps erleichtert wird. Kinder aus Familien, die Hartz-IV beziehen, sollen eine einmalige Zahlung von rund 100 Euro erhalten.

Alternative Konzepte zum Aufholen der Lernrückstände

Andere Konzepte ziehen dagegen in Betracht, für Abiturienten und Realschüler ein zusätzliches Schuljahr einzuführen, um Lernlücken aufzuholen und in diesem ihren Abschluss zu machen.

Vorgeschlagen wird auch ein Ausdünnen der Inhalte der aktuellen Lehrpläne. Nachhilfe soll auch in der Ferienzeit stattfinden. Daneben wird diskutiert, ob eventuell der Samstag als zusätzlicher Schultag genutzt werden könnte oder jahrgangsübergreifende Lerngruppen helfen würden, die Lernrückstände schnellstmöglich aufzuholen. Auch eine zielgerichtete Brennpunktförderung könnte hilfreich sein.

Kritik von Pädagogen

Pädagogen sind der Meinung, dass es grundsätzlich begrüßenswert ist, dass endlich sowohl auf länder- als auch auf bundespolitischer Ebene erkannt wurde, dass das Corona-Jahr besonders große Benachteiligung für Kinder und Jugendliche bedeutet hat. Jedoch reiche es kaum aus, nun einfach nur Geld zu verteilen, ohne dass sichergestellt wird, dass die Maßnahmen auch die nötige Qualität aufweisen.

Pädagogen der Universität Augsburg haben eine Studie durchgeführt, die zeigte, dass die Schüler nach den Schließungen der Schulen sogar in den günstigsten Fällen einen Lernrückstand von rund drei Monaten aufholen müssen.

Impfangebot für Kinder und Jugendliche

Der Präsident des Kinderschutzbundes Heinz Hilgers stellt außerdem die Forderung, dass den Kindern und Jugendlichen jetzt so schnell wie möglich ein Impfangebot gemacht werden muss.


Würden die über Zwölfjährigen nach dem Ende der diesjährigen Sommerferien bereits geimpft sein, könnte endlich wieder normaler Unterricht in den Schulen stattfinden und so noch gravierendere Folgen für die Bildung verhindert werden.