Donnerstag, 08 Juli 2021 15:05

Wildschweinplage und das mentale Problem der Jäger

Munition wiederladen Munition wiederladen pixabay

Kürzlich häuften sich wieder Berichte über Wildschweine – sie randalieren in Innenstädten, verwüsten Flugplätze oder verursachen auf der Autobahn schwere Unfälle.

Daneben wird jedoch auch über Wildschwein-Treibjagden vermehrt berichtet. Vor kurzem wurden 64 Schweine von 65 Jägern in Hessen erlegt. Nachdem im letzten Jahr sogar 100 Wildschweine durch die Jäger erlegt wurden, ist die Zahl der Wildunfälle in diesem Bereich auf den Straßen stark gesunken – ein großer Erfolg.

Dennoch halten die Wildschweine zahlreiche Bevölkerungsgruppen, ob Polizei, Jäger, Landwirte oder Gartenbesitzer weiterhin in Atem. Die Wildscheinplage scheint kaum in den Griff bekommen zu werden. Dafür gibt es mehrere Gründe, wie unter anderem zum Beispiel das mentale Problem der Jäger hinsichtlich der Wildschweinjagd.

Diese Probleme gehen mit den Wildschweinen einher

Die Wildschweine richten besonders an landwirtschaftlichen Kulturen große Schäden an. Doch auch im Wald zerstören sie häufig die Bemühungen der Aufforstung. Daneben tragen die Wildschweine auch Krankheitserreger in sich, welche in ganzen Regionen die Schweinezucht vollständig zum Erliegen bringen könnte. Sowohl die Europäische als auch die Afrikanische Schweinepest sind immer stärker auf dem Vormarsch.

Dadurch wird deutlich, dass es sich bei den Wildschweinen durchaus um problematische Tiere handelt. Es ist so dringend nötig, ihre Bestände zu reduzieren. Allerdings zögern die Jäger bei dem Munition wiederladen.

Zahl der Wildschweine steigt extrem

Die Jagdstatistik macht die Probleme in diesem Bereich deutlich. Zu Beginn der 2000er Jahre wurden pro Jahr rund 300.000 Sauen erlegt, danach stieg die Zahl der geschossenen Wildschweine kontinuierlich an. Dennoch wird immer wieder von einer wahren Wildschweinplage gesprochen.

So muss festgestellt werden, dass sich bei dieser Wildtierart eine ungebrochene Populationsdynamik zeigt. Sowohl Förster als auch Landwirte und Wissenschaftler sprechen sich dafür aus, das Schwarzwild massiv zu reduzieren. Allerdings können diesbezüglich noch keine Erfolge erkannt werden.

Die Probleme des Schwarzwildmanagements

Doch wo liegen die Hindernisse, wenn es um ein effektives Schwarzwildmanagement geht? Die Fachleute führen die explodierenden Zahlen der Wildschweinbestände auf eine Kombination von unterschiedlichen Ursachen zurück, wie die Jagd, den Klimawandel und die Landwirtschaft.

Den Schlüssel zur Lösung des Schwarzwild-Problems halten jedoch vor allem die Jäger in der Hand. Allerdings zeigen die Zahlen der Abschüsse, dass ihre Bemühungen keinesfalls ausreichend sind. Mit dem Schwarzwild scheinen die Jäger so vor allem ein mentales Problem zu haben, denn viele von ihnen vermeiden es, in die Bestände wirklich drastisch einzugreifen.

Traditionsbewusste Jäger, die sich der „Hege“ noch heute verpflichtet fühlen, fürchten sich um die Wildschweine, sodass ihre Argumentation ähnlich der der Jagdgegner ausfällt. Diese sind der Meinung, dass die Jagd dazu führt, dass sich die Sauen noch stärker vermehren. Würden die Tiere jedoch in Ruhe gelassen, würde sich das Problem von selbst erledigen. Allerdings konnte dieser Zusammenhang noch nicht wissenschaftlich belegt werden. Jedoch macht die Argumentation deutlich, dass Jäger generell gehemmt sind, weibliche Wildschweine zu töten – unter den Jägern gilt dies als „unwaidmännisch“.

Es ist allerdings zwingend nötig, die Zahl der Zuwachsträger zu reduzieren, um die Wildschweinplage einzudämmen. In der hiesigen Agrarlandschaft gibt es dafür keine natürliche Bremse, sodass die Jagd das einzige Mittel darstellt. Die Vermehrung der Wildschweine läuft äußerst schnell ab – zumindest, bis die Lebensraumkapazitäten vollständig ausgeschöpft sind. Diese Kapazitätsgrenzen sind jedoch in der umfangreichen Raps- und Maislandschaft in Deutschland kaum vorhanden.