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Montag, 15 Februar 2021 13:31

Kunstfälschung: So wird sie erkannt

Kunstdrucke Kunstdrucke

Der eigene Picasso an der Wand stellt für einige Menschen ein wesentlich wichtigeres Statussymbol dar, als der Porsche vor der Garage. Der Kunstmarkt boomt, allerdings fällt die Nachfrage häufig größer als das vorhandene Angebot aus.

Dies führt dazu, dass der Anteil der Fälschungen bei Kunstwerken bei circa 40 Prozent liegt, im Bereich der Druckgrafiken sind sogar zwischen 60 bis 70 Prozent der Werke gefälscht. Die Kunstfälscher perfektionieren ihre Arbeit stetig und auch Gutachten sind oft nicht echt. Doch wie können falsche Kunstdrucke, Gemälde oder andere Kunstwerke als solche erkannt werden?

Die Durchstrahlung

Um das Innere eines Objektes ohne Beschädigung zu erforschen, bilden Lupe und Licht besonders simple Hilfsmittel. Die Gegenstände werden im Zuge der Untersuchung mit Strahlen bearbeitet, die verschiedene Wellenlängen aufweisen.

Wird das Kunstwerk in normalem, also sichtbarem Licht untersucht, kann die Struktur der Oberfläche erkannt werden. So können beispielsweise gedruckte Farbgrafiken von einem Ölbild, das mit einem reliefartigen, dicken Farbauftrag gemalt wurde, unterschieden werden.

Ebenfalls ist der Einsatz von Schwarzlicht möglich. Materialien, die mit UV-Licht untersucht werden, nehmen eine Strahlung auf, die für das menschliche Auge nicht sichtbar ist. Diese wird dann in anderer Form zum Teil wieder abgegeben – als sichtbares Licht. Die jeweilige Beschaffenheit ist dafür verantwortlich, in welcher Farbe das Fluoreszieren des Gegenstandes auftritt. So leuchten antike Skulpturen aus Marmor grün-gelb, frisch gefertigte Skulpturen dagegen in einem violetten Licht.

Prüfung durch chemische Analyse

Gemälde können ebenfalls im Rahmen einer Materialanalyse untersucht werden. Es reichen bereits winzige Proben aus, um zum Beispiel Textilfasern oder Farben hinsichtlich ihrer Zusammensetzung oder Herkunft zu testen. Ein gängiges Verfahren, um Fälschungen zu entlarven, besteht darin, Substanzen zu finden, die zu der Zeit, in der das Bild angeblich entstand, noch nicht existierten.

Werden Spurenelemente untersucht und Vergleichsproben angestellt, kann sogar die Herkunft der einzelnen Pigmente bestimmt werden. So können Angaben über Provinzen, aus denen die Bilder stammen sollen, hinsichtlich ihrer Echtheit überprüft werden. Einige Pigmente waren in der Vergangenheit nämlich nur an bestimmten Orten verfügbar.

Die Holzanalyse

Unabhängig davon, ob es sich um Musikinstrumente, Figuren, Möbel oder Bildträger handelt – bei Objekten, die aus Holz gefertigt sind, gestaltet sich die Analyse schwieriger. Dies gilt vor allem dann, wenn neuzeitliche Fälschungen aufgedeckt werden sollen, in denen jedoch tatsächlich altes Holz verarbeitet wurde. Zum Einsatz kommt dann die sogenannte Spektrographie, die aus dem Bereich der Industrie bereits seit langer Zeit bekannt ist.

Aus der Skulptur wird dafür eine Holzprobe entnommen, die dann in ein Spektrometer gelegt wird. Mit diesem wird eine Durchleuchtung der Holzmoleküle mit Infrarotstrahlen durchgeführt. Abhängig davon, welche Energie des Lichtstrahles durch die Moleküle des Holzes absorbiert werden, kann das Alter und die Art des Holzes anhand einer charakteristischen Schwingungskurve bestimmt werden.

Auf diese Art kann erkannt werden, welche chemischen Veränderungen das Holz in der Vergangenheit durchlaufen hat. Das ursprüngliche Kurvenbild hinsichtlich des Zerfalls des Holzes verändert sich nämlich, nachdem der Baum gefällt wurde. Diese Veränderungen gestalten sich dabei in den inneren Holzschichten anders als in den äußeren. Die Außenhaut degeneriert durch Bakterien und Witterungseinflüsse relativ schnell, das Innere verändert sich dagegen allerdings nur langsam. So kann erkannt werden, ob altes Holz für den Zweck der Fälschung verwendet wurde.